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Fluglärm in München

Die dritte Startbahn am Münchner Flughafen. Vor sieben Jahren hat sie die Bewohnerinnen und Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt gespalten. In einem Bürgerentscheid sprachen sich 55% gegen den Ausbau des Flughafens Franz Josef Strauß aus. Doch der Streit um die Startbahn köchelte immer weiter – vor allem die CSU befürwortete das Projekt. Je mehr Passagiere der Flughafen verzeichnete, desto lauter wurden die Rufe nach der dritten Startbahn. Betrachtet man die reinen Passagierzahlen, so ist diese Forderung durchaus nachvollziehbar. Mittlerweile starten und landen doppelt so viele Menschen am Münchner Flughafen als noch vor 15 Jahren.

 46,3 Millionen Passagiere kamen 2018 zusammen. Doch die Zahl der Starts und Landungen stagniert.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass pro Flug immer mehr Menschen transportiert werden. Kamen auf eine Flugbewegung vor 16 Jahren noch 68 Passagiere, waren es 2018 schon beachtliche 112.

Mit einer weiteren Startbahn würde die Zahl der Starts und Landungen wahrscheinlich steigen. Eine der größten Sorgen der Startbahn-Gegner: noch mehr Lärm. Und auch dieses Argument ist nicht ganz unberechtigt. Flughäfen in Deutschland müssen den Fluglärm messen. Der Münchner Flughafen veröffentlicht diese Messwerte auf einem eigenen Portal. Einer der belastetsten Orte in der Umgebung ist Pulling. Ein 1.500-Einwohner-Dorf, das 5 Kilometer westlich vom Flughafen entfernt und in dessen Einflugschneiße liegt. Der sogenannte Einzelschallpegel zeigt, dass die Zahl der lauten Überflüge in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat. Der Einzelschallpegel gibt an, wie oft der Pegel einen bestimmten Wert überscheitet. Im September 2018 (der Monat mit durchschnittlich am meisten Flugbewegungen am Münchner Flughafen) wurden 304 Momente gemessen, in denen der Pegel auf 80 bis 84 Dezibel gestiegen ist. Das entspricht ungefähr eine vorbeifahrendem LKW.

Die Schallspitzen zwischen 70 und 74 Dezibel sind rückläufig (grüne Linie). Gleichzeitig gibt es immer mehr Momente, in denen 75 bis 79 Dezibel gemessen werden (blaue Linie).

Es gibt jedoch eine weitere Messgröße, die für den Fluglärm relevant ist: der Dauerschallpegel. Fluglärm ist im Gegensatz zu regelmäßigem Straßenverkehr kein konstantes Geräusch. Deshalb rechnet der Dauerschallpegel die vielen Messspitzen um – als wäre der Fluglärm ein konstantes Geräusch. Und dieser Messwert zeichnet ein anderes Bild als die Einzelschallpegel. Hier hat sich die Lärmbelastung über die Jahre hinweg überhaupt nicht verändert: 62 Dezibel. Das entspricht ungefähr der Zimmerlautstärke während eines Gesprächs – allerdings durchgehend von 6 bis 22 Uhr.

Für das Umweltbundesamt ist das noch kein gefährlicher Wert. Trotzdem stört dieser Lärm die Konzentration, so die Behörde. Eine dritte Startbahn würde die Lärmbelastung aber weiter erhöhen, sagen die Gegner. Doch das haben die Anwohner am Münchner Flughafen vorerst nicht zu befürchten. Die Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählen legte die dritte Startbahn im vergangenen Jahr vorerst auf Eis – zumindest bis zur nächsten Landtagswahl.

Datenquellen: Statistisches Amt der Stadt München, Flughafen München
Programme zur Analyse: pandas libraries, Microsoft Excel
Grafiken: matplotlib, seaborn
Bildnachweis: Pixabay/skeeze

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